Anmeldungen sind bis 28.10.26 möglich!
Adoleszenz ist eine Lebensphase im Ausnahmezustand. Zwischen Aufbruch und Überforderung, Selbstsuche und Selbstbehauptung erleben Jugendliche ihre Entwicklung oft wie im „Echtzeitmodus“: intensiv, widersprüchlich, manchmal chaotisch – und immer voller Chancen. Fachkräfte in der Kinder‑ und Jugendhilfe begleiten junge Menschen genau in diesen Momenten, in denen Krisen zu Wendepunkten werden können und Kompetenzen wachsen, wenn sie gesehen und gestärkt werden.
Der Fachtag „Chaos, Krisen, Kompetenzen – Adoleszenz im Echtzeitmodus“ lädt dazu ein, die Dynamiken dieser Entwicklungsphase neu zu betrachten, professionelle Haltungen zu schärfen und praxisnahe Methoden für den Umgang mit Belastungen, emotionaler Dysregulation und Krisensituationen mitzunehmen. Gemeinsam wollen wir verstehen, was Jugendliche heute brauchen, um resilient zu werden – und was Fachkräfte brauchen, um sie sicher und wirksam zu begleiten.
Die erste Hauptreferentin des Fachtages ist Frau Arite Bandelin, Kinder- und Jugendpsychotherapeutin von der KJP am Sund in Stralsund.
In ihrem Vortrag erläutert sie, welche körperlichen und psychischen Prozesse während der Adoleszenz bei Heranwachsenden ablaufen und welche teils weitreichenden Auswirkungen diese Veränderungen mit sich bringen.
Der zweite Hauptreferent ist Herr Jan-Uwe Rogge. Jan‑Uwe Rogge ist Autor, Erziehungsberater und Kolumnist, bekannt als einer der einflussreichsten Experten für Familien- und Erziehungsfragen im deutschsprachigen Raum.
Sein Vortragsthema ist “Loslassen und Halt geben”. Die Pubertät der Kinder ist manchmal eine Belastung für die ganze Familie. Stress, Streit und Konflikte prägen den familiären Alltag. Heranwachsende beginnen ganz eigene, hin und wieder auch gefahrvolle, Wege zu suchen. Solch eine “Wegsuche” ist mit Gefühlsschwankungen verbunden - mal himmelhochjauchzend mal zu Tode betrübt; mal einfühlsam tolerant, mal schroff auflehnend; mal das “kleine” Kind, dass man kannte; mal jener unbekannt Heranwachsende mit ganz eigenen, häufig provozierend-schockierenden Ansichten.
Der Vortrag versucht, praktische Antworten auf alltägliche Erziehungssituationen zu geben.
| 09:00 | Ankommen |
| 09:30 | Begrüßung und Einleitung in das Thema |
| 09:45 | Vortrag: Dr. Ariete Bandelin - Regeln, Rebellion & Risikofreude – Was die Pubertät mit dem Gehirn macht |
| 10:45 | Pause |
| 11:15 | Vortrag Jan-Uwe Rogge: Pubertät - Loslassen und Haltgeben |
| 12:30 | Mittagspause |
| 13:30 | Workshops |
| 16:00 | Ende |
Die Adoleszenz ist von emotionalen Umbrüchen geprägt. Dieser praxisnahe Workshop verbindet fachlichen Input und kollegialen Austausch und hilft Fachkräften, alterstypische Entwicklungshürden sicher von ernsthaften psychischen Erkrankungen zu unterscheiden, um Jugendliche wirksam zu unterstützen und präventiv zu handeln.
Scherpunkte: Symptome erkennen zur Einordnung häufiger Belastungen wie Angst, Depression und chronischem Stress. Klare Abgrenzung der stürmischen Adoleszenzkrise von beginnenden Persönlichkeitsstörungen. Strategien zur Resilienzförderung und Nutzung von Schutzfaktoren. Prävention und der zielgerichtete Einsatz passender Helfersysteme.
Annika Specht, Dipl.-Psychologin, NBS gGmbH
Der Workshop vermittelt Wissen über jugendliche Sexualentwicklung und nimmt im Besonderen mediale Einflüsse und Risiken, aber auch Freiräume durch Vielfalt in den Blick. Ein weiterer Fokus liegt auf Konsenskultur: Wie können Fachkräfte ihre Jugendlichen vor Übergriffen durch Peers schützen und sie zugleich darin stärken, eigene Grenzen zu achten und selbst nicht übergriffig zu handeln?
Julia Grienitz, Dipl. Sozialarbeiterin, Fachkraft für Prävention und Intervention bei sexualisierter Gewalt an Kindern und Jugendlichen, KONENS LERNEN
Für Jugendliche sind Gleichaltrige oft die wichtigsten Bezugspersonen: Freundschaften geben Halt, Cliquen schaffen Zugehörigkeit und die Anerkennung durch Peers beeinflusst Entscheidungen, Selbstbild und Verhalten. Im Workshop wollen wir gemeinsam erarbeiten, wie Fachkräfte Jugendliche im Spannungsfeld zwischen Individualität und Zugehörigkeit begleiten können.
Kathleen Kleinpeter, Dipl.-Psychologin, NBS gGmbH
Der Workshop gibt einen praxisnahen Einblick in die digitalen Lebenswelten, der Fachkräften zeigt, wie sie Jugendliche im Umgang mit TikTok, Instagram & Co. begleiten und stärken können.
Prof. Dr. Ines Sura-Rosenstock, Universität Greifswald
Die Adoleszenz ist geprägt von Veränderung, Identitätsfindung und dem zunehmenden Wunsch nach Selbstbestimmung. Im Kontext der Eingliederungshilfe kann dabei ein Spannungsfeld zwischen
sozio-emotionalem Entwicklungsstand (SEED), Alter, Rechten, Pflichten und gesellschaftlichen Pflichten entstehen.
Wie wirkt sich die sozio-emotionale Entwicklung auf Selbstständigkeit, Verantwortungsübernahme und Entscheidungsfähigkeit aus und welche Bedeutung hat dies für die pädagogische Begleitung?
Malte Meyer-Vogt und Milena Noreick, Pommerscher Diakonieverein e.V.
In diesem Workshop erleben die Teilnehmenden Erfahrungsorientiertes Lernen (EOL) als eine Methode zur Förderung von Kollaboration und Perspektivwechsel. Nach einer kurzen Einführung in
die Methodik zielt der Workshop vor allem auf eine sequenzielle, praktische Erprobung ab. Ziel ist es, EOL als eine Methodik zu vermitteln, die das eigenständige Entwickeln von Lösungen, eine praxisnahe
Wissensvermittlung und eine inklusive und gemeinsame Gestaltung von Erfahrungsräumen in den Fokus stellt.
Elisa Hofert M.A., Studiengangskoordination Soziale Arbeit- Hochschule Neubrandenburg, Trainerin für Erfahrungsorientiertes Lernen
In unserer Chronik finden Sie alle Fachtagungen der NBS aus den letzten Jahren.